Die Rotenburger Mikwe in der lokalen Presse
Mikwe unter besonderem Schutz

- Mikwe unter besonderem Schutz
10.03.09 HNA
Unter einem Schutzschild steht die Rotenburger Mikwe nun in einem doppelten Sinne: Gestern enthüllten Landrat Dr. Karl-Ernst Schmidt und Rotenburgs Bürgermeister Manfred Fehr das blau-weiß rautierte Schutzzeichen, das das ehemalige jüdische Ritualbad zum ersten geschützten Kulturgut im Landkreis macht. Im Beisein von Dr. Heinrich Nuhn und Heike Madus ist die Mikwe damit als besonders bewahrenswer- tes Kulturgut nach der Haager Konvention ausgewiesen worden. Im Kriegsfall sind so geschützte Denkmäler von den Unterzeichnerstaaten des internationalen Abkommens zu verschonen. Damit steht die Mikwe nun in einer Reihe mit bereits geschützten Baudenkmälern wie der Porta Nigra in Trier und der Eisenacher Wartburg. Im Kreis Hersfeld-Rotenburg stehen unter anderem die Burg Herzberg, die Nenters- häuser Tannenburg und das Kloster Cornberg auf der Liste der noch zu schützenden Bauwerke.(jbz) FocoiBeetz
Vergangenheit aufgedeckt

07.11.08 Kreisanzeiger
Tag des offenen Denkmals" in Rotenburg
Von RICKFROHNERT
Waldhessen. „Vergangenheit aufgedeckt - Archäologie und Bauforschung", lautet das Thema für den Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 14. September, in Rotenburg. Für den Förderkreis „Ehemaliges Jüdisches Ritualbad" ist das Motto ein willkommener Anlass, die neuesten Erkenntnisse zu den unterschiedlichen rituellen Tauchbädern vorzustellen, die sich unter dem Dach des Hauses an der neuen Fuldabrücke seit der Zeit des Dreißigjährigen Krieges befunden haben.
Das Rotenburger Ritualbad ist seit zwei Jahren öffentlich zugänglich und seitdem zu einem häufig angesteuerten Ziel von historisch, kulturell und religionsgeschichtlich interessierten Besuchergruppen geworden.
Gegen das Vergessen

16.09.08 HNA
Kommentar über die Erinnerungsstätte Mikwe in Rotenburg.
Manfred Schaake
Vergessen führt in die Vergangenheit. Erinnerung jedoch ist das Geheimnis der Erlösung. Diese jüdische Weisheit steht auf einer Tafel nahe der ehemaligen Synagoge in Felsberg, die möglicherweise wieder Synagoge wird. Die Weisheit trifft auch auf Rotenburg zu. Das Ritualbad der ehemaligen Rotenburger Synagogengemeinde als Erinnerungs- und Begegnungsstätte zu gestalten, war eine gute Entscheidung.
Schon bei den Renovierungsarbeiten entwickelte sich die Mikwe als ein Glücksfall. Durch die zeitliche Überlagerung der unterschiedlichen Tauchbadeinrichtungen seit dem 17. Jahrhundert ist die Mikwe geradezu ein Lehrbeispiel für die Entwicklung dieser jüdischen Einrichtung.
Sie erinnert an unsere jüdischen Mitbürger, die während des Nationalsozialismus gedemütigt, entrechtet, vertrieben- und ermordet wurden.
redaktion@hersfelder-zeitung.de
Juwel lockt Tausende

- Ehemaliges jüdisches Ritualbad in Rotenburg inzwischen bundesweit bekannt.
16.09.08 HNA
Ehemaliges jüdisches Ritualbad in Rotenburg inzwischen bundesweit bekannt
VON MANFRED SCHAAKE
ROTENBURG. Die Erinnerungs- und Begegnungsstätte Ehemaliges jüdisches Ritualbad im dem kleinen Fachwerkhaus an der Brauhausstraße 2 in Rotenburg ist heute bundesweit bekannt. Seit der Eröffnung am Tag des offenen Denkmals 2006 kamen mehr als 3000 Besucher aus allen Teilen der Bundesrepublik.
Allein am Sonntag während des Tages des offenen Denk mals kamen etwa 100 Menschen in die Mikwe. Das Motto „Vergangenheit aufgedeckt Archäologie und Bauforschung" war für den rührige Förderkreis Anlass, die neues ten Erkenntnisse zu den unterschiedlichen rituellen Tauchbädern vorzustellen, die sich in dem Rotenburger Gebäude seit der Zeit des 30-Jährigen Krieges befunden haben.
Die Stadt Rotenburg hatte das alte Gebäude gekauft und mit Unterstützung von Land und Bund renoviert. Bei den Ausgrabungen gab es immer wieder Überraschungen. Seit 2006 ist die Mikwe von Mai bis Oktober jeden Sonntag geöffnet.
„Es vergeht aber keine Woche ohne Sonderführungen", freut sich Dr. Heinrich Nuhn- vom Förderkreis des Ritualbads. Mehrfach sei die Mikwe als ein Juwel bezeichnet worden. Heute ist die Erinne- rungs- und Begegnungsstätte immer häufiger Ziel von historisch, kulturell und religionsgeschichtlich interessierten Besuchern.
„Wichtige Teile unserer Geschichte drohten in Vergessenheit zu geraten", sagt Dr. Nuhn, „jetzt ist die Mikwe ein Magnet".
Der Autor des Buches „Die Rotenburger Mikwe - Kulturdenkmal und Zeugnis der der Vielfalt jüdischen Lebens" spricht vom positiven Effekt des Internets: „Wer das Stichwort „jüdische Spuren" eingibt, landet in Rotenburg. Viele Besucher wussten vorher gar nicht,' dass es in Hessen ein Rotenburg gibt."
Bei den Besuchern kommen Dr. Nuhn zufolge die individuelle Gestaltung des Museums und die Dokumentation aller Mikwe-Berichte unserer Zeitung sehr gut an. Auch das sei eine positive Rotenburg-Werbung. Pfarrer Lars Niquet vom Förderkreis: „Wer das Internetlexikon Wikipedia aufschlägt, findet unter dem Stichwort Mikwe das Rotenburger Tauchbad in einer Reihe mit den Weblinks zu den weithin bekannten Einrichtungen in Speyer, Friedberg und Köln."
Staatsminister auf Spurensuche in der Mikwe

- Günter Gloser besucht die Mikwe in Rotenburg
04.05.07 Frankfurter Rundschau
Mit 90 000 Euro hat die Europäische Union (EU) den Erhalt der Mikwe in Rotenburg gefördert. Um ihm zu zeigen, wie vielfältig die EU-Förderung ausfallen kann, lud Bundestagsabgeordneter Michael Roth, Mitte, den Staatsminister für Europa, Günter Gloser, rechts, in das ehemalige jüdische Ritualbad ein. Gestern besuchten sie gemeinsam mit Bürgermeister Manfred Fehr, Zweiter von links, und der Ersten Kreisbeigeordneten Christa Bittner die Gedenkstätte. Dr. Heinrich Nuhn vom Förderkreis des Ritualbads führte die Gäste durch das Gebäude. Seit September wird in dem Haus ein Stück jüdischer Geschichte aufgearbeitet. „Das ist mal eine andere Form der Förderung. Sie hat einen aktuellen Bezug zum jüdischen Leben in Deutschland", sagte Staatsminister Gloser während seines Besuchs. „Schön, dass engagierte Menschen mit diesem Haus den Ansporn geben, die eine oder andere Spur weiter zu verfolgen." (rot) Foto: Thoneick
Seine Maske in der Mikwe

- Erinnerung an den aus Rotenburg stammenden bedeutenden Arzt Moritz Katzenstein.
16.04.07 HNA
Erinnerung an den aus Rotenburg stammenden bedeutenden Arzt Moritz Katzenstein
VON GUDRUN SCHANKWEILER-ZIERMANN
ROTENBURG. „Er war ein Rotenburger Junge", sagt Dr. Heinrich Nuhn, wenn er von Moritz Katzenstein spricht. Von diesem Rotenburger Jungen jüdischen Glaubens, der später ein erfolgreicher Chirurg geworden ist, gibt es eine Totenmaske, die jetzt als Replik im ehemaligen jüdischen Ritualbad, der Mikwe, zu sehen ist.
Moritz war eines von zwölf Kindern des Altwarenhändlers Salomon Katzenstein, der im Zwickel 13 wohnte. Er wurde 1872 geboren, berichtete der Berliner Medizinprofessor Dr. Kurt Franke, der am Freitagabend im Rathaus einen Vortrag über Moritz Katzenstein hielt, über den er ein Buch geschrieben hat. Professor Franke zeichnete ein anschauliches Bild des Mannes, der 1900 zum ersten Mal in Deutschland einen Meniskus wieder annähte.
Mit großer Ruhe und Detailkenntnis berichtete der Berliner Professor von Katzensteins beruflichem und privaten Werdegang. Katzenstein promovierte 1895 in München, war danach vermutlich - heute würde man sagen Praktikant - im Berliner Jüdischen Krankenhaus, bevor er 1898 dort eingestellt wurde.
Zwei Jahre später heiratete er die begüterte Helene Loeser aus Thüringen, was wohl die Voraussetzung war, dass sich der junge Arzt noch im selben Jahr mit einer eigenen Praxis selbständig machen konnte.
Professor Franke erzählte vom weiteren Werdegang Kat
zensteins, der wegen seiner jüdischen Herkunft mancher Diskriminierung ausgesetzt war. Doch es gelangen ihm immer wieder außergewöhnliche Operationen wie das Annähen eines abgerissenen vorderen Kreuzbandes, auch plastische Operationen, und er habilitierte als Externer und noch dazu jüdischen Glaubens an der Berliner Universität.
Als deutscher Patriot und Stabsarzt behandelte er im 1. Weltkrieg Soldaten im Lazarett, um sie, nach eigener Aussage, wieder fronttauglich zu machen. Nur Ärzte und Juristen jüdischen Glaubens konnten damals als Reserveoffiziere dienen, anderen Juden war dies laut Franke verwehrt.
Katzenstein, versierter Golfspieler und enger Freund von Albert Einstein, wirkte später im Städtischen Krankenhaus am Friedrichshain. Er starb 1932 an einem Krebsleiden, „Gott sei Dank hat er 1933 nicht mehr erlebt", sagte Professor Franke.
Auch für die damalige Zeit war es ungewöhnlich, dass von Moritz Katzenstein eine Totenmaske angefertigt wurde, ebenso wie Abdrücke von den Händen. Franke sprach von einer „würdigen Form des Erhalts der Persönlichkeit für die Nachwelt". Die Totenmaske, deren Abdruck jetzt in Rotenburg zu sehen ist, haben die Enkeltöchter Brigitte Gruss-Castel und Christine
Castel dem Medizinhistorischen Museum in Berlin übergeben. Die beiden wuchsen in Frankreich auf, wohin Helene Katzenstein nach dem Tode ihres Mannes mit ihren beiden Söhnen emigrierte.
Zum Vortrag über Moritz Katzenstein war neben den beiden Enkelinnen auch JeanJacques Katzenstein aus Zürich angereist, ein Großneffe von Moritz.
Dr. Heinrich Nuhn vom Förderverein ehemaliges jüdisches Ritualbad, der zusammen mit dem Geschichtsverein und dem Magistrat zu dem Vortrag eingeladen hatte, schlug dem Erstem Stadtrat Franz Toby vor, eine Straße nach Moritz Katzenstein zu benennen.
Leben für die Erinnerung

- Sophie Linz Rosenfeld
15.01.07 HNA
Sophie Linz-Rosenfeld, Ehrenmitglied des Förderkreises jüdisches Ritualbad, ist tot.
ROTENBURG. Sophie Linz-Rosenfeld, 90-jähriges Ehrenmitglied im Förderkreis ehemaliges jüdisches Ritualbad - Gedenk- und Begegnungsstätte -. verstarb am 28. Dezember in Long Beach im US-Bundesstaat Kalifornien.
Während ihre Eltern Opfer des Holocaust wurden, überlebte sie durch die Flucht nach England im November 1938. Dort machte Sophie Linz-Rosenfeld eine Ausbildung zur Krankenschwester. Nach dem Krieg emigrierte sie in die USA. wo sie 1951 den aus Frankfurt/ Main stammenden Rechtsanwalt Kurt Rosenfeld heiratete.
Sophie Linz-Rosenfeld, geboren am 20. April 1916, entstammte einer über Generationen in Rotenburg ansässigen jüdischen Familie. Älteren Stadtbewohnern ist die Adresse in der Breitenstraße (jetzt Gebäudeteil der Kreissparkasse) als Einkaufsplatz für frisch gerösteten Kaffee noch gut in Erinnerung. Die HNA berichtete darüber im Mai 2005 anlässlich des mehrtägigen Besuchs von Uri Linz-llan, dem Neffen Linz-Rosenfelds.
Sophie Linz-Rosenfeld nahm in ihren letzten Lebensjahren lebhaften Anteil an den Bemühungen in ihrer deutschen Heimatstadt, die Erinnerung an die hier über Jahrhunderte lebenden Menschen jüdischen Glaubens wach zu halten. Mehrfach lieferte sie detaillierte Berichte zum Leben und Treiben in der Fuldastadt in den 1920er und 1930er-Jahren. Darüber hinaus unterstützte sie die Arbeit des Förderkreises, der sie zum Ehrenmitglied ernannte. Auf der Webseite der Arbeitsgruppe Spurensuche finden sich eine aus führliche Darstellung ihres Lebensweges sowie die Geschichte ihrer Rotenburger und Frielendorfer Vorfahren, (red)
Fehr: Geld gut angelegt
19.12.2006 HNA
Sparkassen-Stiftung unterstützte Rotenburger Mikwe mit 20 000 Euro
VON MANFRED SCHAAKE
ROTENBURG. „Toll, was Sie hier geleistet haben." Mit diesen Worten hat der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Bad Hersfeld-Rotenburg, Dr. Manfred Wagner, die Restaurierung des ehemaligen jüdischen Ritualbades in Rotenburg und die Einrichtung einer Gedenk- und Begegnungsstätte kommentiert.
Mit jeweils 10 000 Euro haben die Stiftung der Sparkasse Bad Hersfeld-Rotenburg und die Bürgerstiftung die Mikwe unterstützt. Die Bürgerstiftung war 2001 von der Sparkasse initiiert und mit Kapital ausgestattet worden.
Die 20 000 Euro seien gut angelegt, betonte Bürgermeister Manfred Fehr. Er begrüßte den Sparkassen-Vorstand in der Mikwe und sagte für die
Spende herzlichen Dank. Die Sparkasse sei bei Gesamtkosten von 208 000 Euro einer der bedeutendsten Geldgeber. Die Sparkassen-Spende sei unter anderem für Vitrinen und Schautafeln verwendet worden.
Sehr beeindruckend
„Sehr beachtlich, sehr beeindruckend." Das sagte Dr. Wagner im Beisein seiner Vorstandskollegen Reinhard Faulstich und Frank Röhr zur ehrenamtlichen Arbeit des Förderkreises ehemaliges Jüdisches Ritualbad. Die Sparkasse habe kürzlich selbst ein Museum eingerichtet. Sehe man die Dokumentation in der Mikwe, könne man erahnen, „wie viel Arbeit hier drin- steckt".
Förderkreis-Vorsitzender Dr. Heinrich Nuhn erläuterte
den Gästen, dass dem Besucher unter dem gleichen Dach in dichter räumlicher Nähe zwei zeitlich weit auseinander liegende bauliche Situationen begegnen:
• Das Grundwasser-Tauchbecken eines jüdischen Ritualbades aus der Mitte des 17. Jahrhunderts und
• ein „modernes" Tauchbad von 1835 mit Veränderungen im Jahr 1925.
In der Dauerausstellung im oberen Geschoss sind Dokumente und Objekte zu sehen, die an sechs Jahrhunderte jüdischen Lebens in Rotenburg und Umgebung erinnern. Dr. Nuhn sagte, Vieles sei unwiderruflich verloren gegangen. Die Ausstellung ziele nicht darauf ab, die Zerstreutheit der Spuren jüdischen Lebens in einer geschlossenen Chronologie aufzuheben. Sie wolle viel mehr mithilfe authentischer Zeugnisse das historische Geschehen kaleidoskopartig beleuchten - unter dem Motto: Was übrig blieb.
Gegen das Vergessen
Als ein „großartiges Werk gegen das Vergessen" hat einer der Besucher im Gästebuch die Gedenk- und Begegnungsstätte gewürdigt. Sie war am 10. September - dem Tag des offenen Denkmals - feierlich eingeweiht worden. Nach Angaben Nuhns kommen jeden Sonntag 30 bis 40 Besucher.
• Die Mikwe ist jeden Sonntag von 14 bis 16 Uhr geöffnet.
• Der Eintritt ist frei, der Förderkreis bittet um Spenden.
Kontakt: Dr. Heinrich Nuhn, Telefon 06623/2482, www.mikwe.de
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