Renate Knigge-Tesche

Referatsleiterin R. Knigge-Tesche

Referatsleiterin,
Hessische Landeszentrale für Politische Bildung, Wiesbaden

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

zunächst möchte ich herzlich danken für die Einladung zur heutigen Einweihungsfeier. Mein Dank gilt insbesondere Ihnen, Herr Bürgermeister Fehr, und Ihnen, Herr Dr. Nuhn für den Förderkreis ehemaliges Jüdisches Ritualbad.

Diese eindruckvolle Feier markiert den Höhepunkt einer mehrjährigen intensiven Arbeit bei der Erforschung, Sicherung und Restaurierung eines für Rotenburg sehr bedeutsamen Bauwerks. Sie ist jedoch zugleich der Beginn einer neuen wichtigen Aufgabe und Herausforderung. Die Entscheidung, im Hause des Ritualbades eine Gedenk- und Begegnungsstätte einzurichten, ist eine gute und richtige Entscheidung, und ich bin der Stadt Rotenburg sehr dankbar, dass sie diese Entscheidung so nachhaltig trägt.

Als auf Initiative des Hessischen Landtags mit Beginn des Jahres 1993 in der Landeszentrale für politische Bildung ein Gedenkstättenreferat eingerichtet wurde, geschah diese aus der Erkenntnis heraus,  dass im Land Hessen mehr getan werden müsse, um die Erinnerung an das düsterste Kapitel der deutschen Geschichte, die zwölf Jahre dauernde Terrorherrschaft des Nazi-Regimes, wach zu halten und dessen Opfern zu gedenken.

Diejenigen, die sich damals in Fördervereinen und Initiativen zusammengefunden hatten, um Gedenkstätten zu errichten und die Öffentlichkeit über die NS-Zeit vor der eigenen Haustüre aufzuklären, wurden in ihren Städten und Gemeinden vielfach belächelt und nicht ernst genommen, nicht selten aber auch hart angegriffen und bedroht. Einen Schlussstrich zu ziehen, das Vergangene doch endlich vergangen sein zu lassen, prägte damals noch immer die Vorstellungen vieler Bürger, aber auch vieler Kommunalpolitiker.

Doch die Fördervereine und Initiativen blieben, allen Anfeindungen zum Trotz, standhaft und setzten ihre Arbeit fort. So entstanden im Laufe der Jahre in Hessen Gedenk- und Begegnungsstätten, die in vielfältiger Weise an das Schicksal erinnern, das die Opfer der Nazi-Herrschaft  erleiden mussten. Dieses Schicksal hat die jüdischen Menschen, die bis dahin eine lange Tradition und Geschichte in unserem Land hatten, in ganz besonders schlimmer Weise getroffen.  Am Ende stand die Vernichtung jüdischen Lebens in unseren Kommunen.

In vielen Städten und Gemeinden ist in den letzten zwei Jahrzehnten intensiv geforscht worden. Das, was wir heute über die Jahre 1933 bis 1945 und die Ereignisse vor Ort wissen, ist um ein Vielfaches größer als noch vor zwanzig Jahren. Und dieses Wissen ist, so schmerzhaft auch die Fakten sind, eine Bereicherung gegenüber dem Nicht-Wissen vorher. Wir müssen uns der Geschichte stellen, um sie nicht noch einmal zu wiederholen.

Dass insbesondere junge Menschen ein waches Gespür für Geschichte entwickeln können und hoch motiviert sind, an ihrer Erforschung aktiv mitzuarbeiten, hat Herr Dr. Nuhn mit seiner Arbeitsgruppe Spurensuche an der Jakob-Grimm-Schule in eindrucksvoller Weise gezeigt. Die Ergebnisse zur jüdischen Geschichte in Rotenburg und der Region sind außerordentlich bemerkenswert.

Ich weiß, dass Herr Dr. Nuhn sehr bescheiden ist und sich mit seiner Arbeit nicht gern herausstellt. Aber ohne seine kontinuierliche, über viele Jahre fortgeführte Arbeit, ohne seine eigenen Forschungen und ohne seine hohes Engagement wäre die Einrichtung der Gedenk- und Begegnungsstätte im ehemaligen Ritualbad nicht vorstellbar.  Daher gilt Ihnen, Herr Dr. Nuhn, mein ganz besonderer Dank. Möge das Haus ein Ort des Lernens und des aktiven Austauschs für viele Menschen werden.


Address by Renate Knigge-Tesche, Wiesbaden, Hessische Landeszentrale für politische Bildung

Dear ladies and gentlemen,

first of all I want to thank cordially for inviting me to this dedication of the former Mikwe. Thanks especially to the mayor of Rotenburg, Mr. Fehr and to Dr. Nuhn, the chairman of the Mikwe’s supporting committee.

This impressive dedication is the highlight after several years of intensive work concerning the research, upkeep and restoration of a very significant building in the city of Rotenburg.  It is at the same time the beginning of a new and important task and challenge.  I appreciate the decision to institute a place of remembrance and meeting in the building of the Mikwe, and I say thanks to the City of Rotenburg for supporting this decision with a long-lasting effect. 

When – on the initiative of the parliament of Hessen – the department for memorials of the victims of the nazi-regime began to work early in 1993, this was based on the knowledge that more had to be done in our country to be aware of the most sinister period of our history, the twelve years of Nazi-terror, and that more had to be done to commemorate its victims.

Those who, at that time, had found together in supporting committees and historical research groups to set up memorials and to inform publicly about what had happened in cities, townships and villages between 1933 and 1945, were often sneered at, not taken in earnest, but also attacked and threatened. There was still much of the mentality to put an end to the discussion about the past, to let bygones be bygones. Many citizens thought so and also a number of those who were responsible for political decisions in our communities.

The research groups and memorial committees remained firm – in defiance of all hostilities – and continued their work. Thus over the years a number of memorial places developed all over Hessen in remembrance of the fate the victims of the nazi-regime had to bear. The fate of the Jewish citizens, until 1933 with a long history and tradition in our country, was the most cruel of all. At the end Jewish life in all cities, townships and villages was destroyed.

There has been much serious local research during the last two decades. What we know now about the history in our communities between 1933 and 1945 is much more than we knew twenty years ago. And the knowledge is, however painful the facts are, an enrichment compared with the not-knowing before. We have to face our history to prevent repeating it.

Many young people today have been able to develop a good sense of history and are highly motivated to work on its research. This was shown in an impressing way by Dr. Nuhn and his team “Spurensuche” at Jakob-Grimm-School. The results concerning Jewish history in Rotenburg and surroundings are singular

I know that Dr. Nuhn is a very modest man, not talking much about what he himself has done. But without his work continuously proceeded over many years, without his own research and without his great effort the place of remembrance and meeting in the house of the Mikwe would not be imaginable. Therefore, Mr. Nuhn, my very special thanks to you. May the house become a place of learning and of active communication for many people.

 

© 2010 Förderkreis Ehemaliges Ritualbad Rotenburg