Christa Bittner, Bad Hersfeld

Christa Bittner, Bad Hersfeld, Erste Kreisbeigeordnete

Erste Kreisbeigeordnete

Sehr geehrte Damen und Herren,

es braucht viel Kraft und in Zeiten knapper kommunaler Kassen auch großes Durchsetzungs- und Durchhaltevermögen, um Träume oder Ideen zu Planungen zu führen und diese dann auch zu verwirklichen - , besonders, wenn es Pläne sind, die zur Kür kommunalpolitischen Handelns gehören, weil sie vor allem die Gedenkstättenkultur in unserer Region verbessern wollen. Der „Förderkreis“ mit Dr. Heinrich Nuhn und die Stadt Rotenburg an der Fulda mit ihrem Bürgermeister Manfred Fehr an der Spitze hatten diese Kraft und dieses Durchhaltevermögen, meisterten alle Überraschungen – und dafür danke ich Ihnen – auch im Namen des Landkreises Hersfeld-Rotenburg, der mit der Eröffnung der ehemaligen Mikwe als Gedenk- und Begegnungsstätte einen weiteren Mosaikstein für das große Bild der Aufarbeitung seiner Geschichte erhalten hat.

Dr. Heinrich Nuhn hat uns mit seinen „Spurensuchern“ schon viele solcher Mosaiksteine übergeben, die Mikwe, die neue Gedenk- und Begegnungsstätte ist ohne Zweifel der größte.

Die Mikwe ist ein Ritualbad. Sie reinigt aber nicht nur, was unsauber ist, sondern das fließende Wasser soll auch das Böse mitnehmen und die Badende oder auch den Badenden in geistig-spiritueller Reinheit zurück lassen.

Nun wird diese von uns wieder frei gelegte Mikwe nicht mehr das Böse mitnehmen können, was Deutschland im Dritten Reich der Welt und im Besonderen den Juden angetan hat. Eine Mikwe reinigt im und für den Augenblick.

Diese hier wird uns weiter daran erinnern, dass es Böses auch hier in Rotenburg, auch in unserem Landkreis gegeben hat. Selbst wenn in den letzten 60 Jahren viel Wasser unter der verschütteten Mikwe geflossen ist, so sind damit nicht die schlimmen Erinnerungen an die Zeiten weggespült worden, wo jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger, verfolgt, gequält, deportiert und getötet wurden, sofern sie nicht rechtzeitig ihre eigentliche Heimat verlassen hatten.

Deshalb soll uns die Mikwe, soll uns die neue Gedenk- und Begegnungsstätte mahnend daran erinnern, nie wieder zuzulassen, dass etwas nicht koscher in Deutschland ist, dass die Menschen der Welt die Achtung voreinander verlieren und sich ein Volk über andere erheben will.

Ich weiß, dass viele Menschen in unserem Land aufpassen und auf der Hut sind, damit Willkür, Gewalt und Diktatur  keine Chance in Deutschland haben. Dass es tatsächlich viele sind, in deren Kopf das Wort Fremdenhass gestrichen ist, haben wir in den Wochen der Fußball-Weltmeisterschaft trotz Unkereien im Vorfeld eindrucksvoll bewiesen. Die Welt war zu Gast bei Freunden – dieses Motiv wurde gelebt und ein neues Bild von Deutschland in die Welt getragen.

Martin Luther King hatte den Traum, dass schwarze und weiße Kinder in Alabama Hand in Hand zur Schule gehen werden.  Ich habe auch einen Traum. Ich habe den Traum, dass die Globalisierung sich irgendwann nicht mehr auf weltweite Wirtschaftsbeziehungen beschränkt, sondern sich auf das faire und gerechte Miteinander aller Völker auf diesem Planeten ausweitet. Es mag ein Traum sein – vor allem, wenn ich abends die Tagesschau sehe, bin ich mir nicht sicher, ob sich dieser Traum noch in meinem Leben erfüllen wird. Doch diese wieder entdeckte Mikwe und diese Gedenk- und Begegnungsstätte dokumentieren, was passiert, wenn Menschen sich den Glauben an die Menschheit und an ein friedliches Miteinander nehmen und sich dafür Hass und Gewaltbereitschaft  einpflanzen lassen.

Da ist es doch besser zu träumen. Träumen Sie mit, dann wenn ganz viele träumen, dann wird aus einem Traum Wirklichkeit. Dass dies wirklich funktioniert, das ist uns doch heute erst mit der Einweihung dieser Gedächtnis- und Begegnungsstätte gezeigt worden, die vor zehn Jahren sicher nicht mehr als ein Traum war.

 

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. 


Address by Christa Bittner, Deputy District Administrator

Ladies and gentlemen,

in times of meagre municipal finances a great deal of strength, assertiveness and endurance is necessary in order to plan and then to fulfil dreams and ideas more especially when they are plans which are normally a matter for municipal political action when, in particular they seek to improve the tradition of the commemorative places in our region. The „Förderkreis“, the group of people around Dr. Heinrich Nuhn and including the town of Rotenburg a.d. Fulda in particular in the person of its Mayor, Manfred Fehr, formed to promote this idea, has had the necessary strength and endurance and has been able to overcome all the surprises with which they were confronted. For this I thank you personally and on behalf of the District of Hersfeld-Rotenburg. With the official opening of this mikveh we have placed yet another stone in the mosaic picture which forms a reappraisal of the districts history. Dr Heinrich Nuhn has presented us with many such mosaic tiles in his search for traces of this history. Of all these, the mikveh is undoubtedly the greatest. A mikveh is a ritual purifying bath which not only cleanses the body but with the flowing water taking away with it the harmful, wicked or evil leaves behind also a spiritual cleanliness at the end of bathing. This mikveh which we have recently uncovered and exposed can no longer wash away the evil that Germany, during the Third Reich, inflicted on the world and most especially on the Jews. A mikveh cleanses and purifies only in and for the moment . This ritual bath will remind us further that evil existed here too in Rotenburg, yes in our district. Even when much water has flowed beneath the buried remains of the mikveh the terrible memories of that time when who did not leave their homeland in time were persecuted, tormented, tortured, deported and killed. Therefore this mikveh should be a reminder to us never again to allow anything which is not „koscher“ to happen in Germany nor that the people of the world lose respect for each other and let one nation rise up to rule over others. I know that many people in our country are watching vigilantly and are on guard to ensure that despotism, violence and dictatorship have no chance in Germany. That there really are a lot of people for whom the word xenophobia has been erased was proved impressively and experienced y many during the weeks of The World Cup and that despite a certain alarmism in the run-up to the football championships. Under the motto of this tournament „Die Welt zu Gast bei Freunden“ the world was made so welcome as guests of friends giving it a new picture of Germany. Martin Luther King had a dream that black and white children would one day go hand in hand to school in Alabama. I, too, have a dream: that globalisation will one day not just be restricted to worldwide economic connections but rather become a fair and just togetherness of all the people spread over the whole globe. It may be a dream and especially when I watch the evening news, I'm not sure if this dream will come to fulfilment during my lifetime. But the discovery of this mikveh shows just what can happen when people lose their belief in humanity and peaceful coexistence and allow hate and the propensity for violence to take its place. So it is better to dream then after all. Dream with me, then when many, many dream, the dream can become reality. That this really is possible has been proved to us today with the official opening of this memorial commemorative meeting place which 10 years ago was, with relative certainty, not much more than a dream.

Thank you very much for your attention.

 

© 2010 Förderkreis Ehemaliges Ritualbad Rotenburg