Öffnungszeiten des Jüdischen Museums

- Die Rotenburger Mikwe 10.Sept. 2006
Führungen
Von Mai bis Oktober jeweils am 1. Sonntag um 15 Uhr
und ganzjährig jederzeit per Anmeldung
über Tel. 06623-5555 od. 06623-2482
Eintritt frei
(Spenden willkommen)
Prospekt:
Jüdisches Museum in der ehemaligen Mikwe
Eröffnung der Mikwe-Gedenkstätte

- Bgm. Manfred Fehr
Manfred Fehr, Bürgermeister der Stadt Rotenburg a. d. Fulda
[..]Die Mikwe ist Teil der Geschichte unserer Stadt.In Rotenburg gab es über 650 Jahre jüdisches Leben und jüdische Kultur. Dies endete mit den Verbrechen des barbarischen Nazi-Regimes Das Haus mit dem wiedergefundenen jüdischen Ritualbad soll Gedenkstätte sein für das ausgelöschte Leben der jüdischen Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt. Die Mikwe ist aber auch zugleich Museum und soll Begegnungsstätte sein für Menschen aller Religionen und Nationalitäten. Für mich ist sie ein Zeichnen der Hoffnung, das wir aus den schrecklichen Ereignissen der Vergangenheit lernen. Für eine gemeinsame friedliche Zukunft aller Menschen, frei von Haß und Intoleranz.

- Dr. Heinrich Nuhn
Dr. Heinrich Nuhn, Vorsitzender des Föderkreises
[..] Im November 1988 - anlässlich des Gedenkens an die ein halbes Jahrhundert zurückliegenden unseligen Geschehnisse der sog. Kristallnacht im November 1938 - gelingt jungen Menschen in Rotenburg ein erster Schritt des Dokumentierens jüdischen Lebens und der Verfolgung der jüdischen Minderheit. Von da an brechen Verkrustungen auf, von da an fühlten sich Menschen unserer Stadt dazu veranlasst, Anekdoten vom Miteinander zu erzählen, alte Fotos herauszusuchen, Erinnerungsstücke aufzuspüren und persönliche Korrespondenz mit Überlebenden herbeizuholen. Einige gingen dabei auch noch einen großen Schritt weiter, indem sie ihr damaliges Verhalten problematisierten, sich zu ihrer Verantwortung bekannten und sich dieser nicht entziehen wollten. Um den Weg des Erinnerns nicht nur gedanken-, sondern auch tatenreich zu leisten, haben die verantwortlichen Gremien unserer Stadt vor sechs Jahren beschlossen, das Haus, das die ehemalige Mikwe der jüdischen Gemeinde beherbergte, zu erwerben und zu einer Gedenk- und Begegnungssstätte auszubauen. [..]

- Prof. Dr. Gerd Weiß
Prof. Dr. Gerd Weiß, Wiesbaden Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen
[..] Die Stätten jüdischer Kultur in Hessen sind besonders eindringlich mahnende Orte der Erinnerung und des bleibenden Gedenkens. Die Denkmalpflege nimmt sich der konkreten baulichen Zeugnisse an und trägt Sorge für die Bewahrung. „Die Denkmalpflege“ ist aber nicht identisch mit der Behörde, die zur Wahrnehmung dieser Aufgabe eingerichtet wurde. Denkmalpflege ist eine Aufforderung an alle Bürgerinnen und Bürger. Sie alle, die sich dieser Aufgabe stellen, betreiben Denkmalpflege: Eigentümer wie Handwerker, Architekten wie Restauratoren und zum Glück immer mehr sich ehrenamtlich engagierende Bürgerinnen und Bürger. Denkmalpflege als Teil der Erinnerungskultur ist kein Selbstzweck. Mit der Erhaltung überlieferter materieller Geschichtszeugnisse kann sich die Erinnerung mit einem Ort verbinden, denn „es gibt keine Erinnerung im Nirgendwo“. Wir sind in der letzten Zeit bei einigen Synagogenrestaurierungen den Weg gegangen, die an den Gebäuden festzumachenden Spuren der Überlieferung aufzudecken, sie zu konservieren und sie damit in ein denkmalpflegerisches Konzept einzubinden, das einen direkten geschichtlichen Bezug herstellt und einen anschaulichen Ort des Gedenkens der Öffentlichkeit übergibt. [..]

- Ministerin a.D. Ruth Wagner
Staatsministerin a. D. Ruth Wagner, Wiesbaden Vizepräsidentin des Hessischen Landtags
[..]Der Tag des Offenen Denkmals wird in Hessen mit einem Landtagsbeschluss, den ich 1989 als Abgeordnete erwirkt habe, begangen. Wir werden in diesem Jahr über 600, sonst nicht immer zugängliche, denkmalgeschützte Gebäude der Bevölkerung zeigen und erklären. Dieser Tag, der mittlerweile nicht nur bundesweit durchgeführt wird, sondern von 48 Mitgliedsstaaten des Europarates als „European Heritage Days“ gefeiert wird, bietet die Gelegenheit, sich mit dem kulturellen Erbe auseinanderzusetzen. Der Denkmalschutz, der in Hessen seit 60 Jahren Verfassungsrang genießt, ist Teil der Erinnerungsarbeit einer Kulturnation. [..]

- 1. Kreisbeigeordnete Christa Bittner
Christa Bittner, Bad Hersfeld, Erste Kreisbeigeordnete
[..] Sehr geehrte Damen und Herren, es braucht viel Kraft und in Zeiten knapper kommunaler Kassen auch großes Durchsetzungs- und Durchhaltevermögen, um Träume oder Ideen zu Planungen zu führen und diese dann auch zu verwirklichen - , besonders, wenn es Pläne sind, die zur Kür kommunalpolitischen Handelns gehören, weil sie vor allem die Gedenkstättenkultur in unserer Region verbessern wollen. Der „Förderkreis“ mit Dr. Heinrich Nuhn und die Stadt Rotenburg an der Fulda mit ihrem Bürgermeister Manfred Fehr an der Spitze hatten diese Kraft und dieses Durchhaltevermögen, meisterten alle Überraschungen – und dafür danke ich Ihnen – auch im Namen des Landkreises Hersfeld-Rotenburg, der mit der Eröffnung der ehemaligen Mikwe als Gedenk- und Begegnungsstätte einen weiteren Mosaikstein für das große Bild der Aufarbeitung seiner Geschichte erhalten hat. [..]

- Pröpstin Marita Natt
Pröpstin Marita Natt, Bad Hersfeld
[..]Es ist ein historischer Ort, an dem wir heute stehen. Ein Museum wird eröffnet, dass uns eintauchen lässt in die Geschichte der jüdischen Männer Frauen und Kinder von Rotenburg, die 1938 ein leidvolles Ende fand. Sie stellten einmal 10 % der Bevölkerung dieser Stadt. Der Friedhof erzählt davon, Namen, Stätten wie diese. Dank Geschichtsbewusster Menschen bleiben sie bewahrt. Aber viel mehr Junge und alte Nachbarn und Bürger dieser Stadt sollen sich der Menschen, ihres Glaubens, ihres Schicksals erinnern! Dazu wird nun das Haus in der Brauhausstraße 2 beitragen. Hier wird jüdische Tradition vermittelt, hier kann nun ein Blick geworfen werden in die Vergangenheit. Das Ritualbad oder Frauenbad, die Mikwe, ist wieder sichtbar, und wie von selbst entstehen die Bilder aus vergangenen Zeiten: -Was haben die Frauen sich wohl erzählt auf dem Weg hierher? -Wie haben sie sich gefühlt? - Fürchteten sie wirklich das kalte Wasser? -Wurden sie tatsächlich krank, wie der Arzt Dr. Wenderoth im 19. Jhd. nachdrücklich vorbrachte...? Oder war dieser Gang selbstverständlicher Teil ihres Lebens, das so eng mit ihrer Religion verbunden war? [..]

- Dechant Bernhard Schiller
Dechant Bernhard Schiller, Bad Hersfeld
Das Geschichts- und Kulturdenkmal der Rotenburger Mikwe ist auch ein religiöses, existentielles und moralisches Mahnmal für die Menschen in unserer Region heute. Wenn ich als Vertreter der katholischen Kirche für den Bischof von Fulda zur Einweihung einen Gruß überbringen darf, geschieht dies gerade auch in ehrfürchtiger Würdigung dieser Dimension. Der mit viel Engagement und Liebe hergerichtete Ort berührt diesen Nerv der Religion, des Gewissens und der Identität meiner Glaubensgemeinschaft im Innersten. Im vergangen Jahr haben zwei Jahrestage die Bedeutung des heutigen Festaktes unterstrichen. Der 60. Jahrestag der Befreiung der nationalsozialistischen Konzentrationslager rief erschütternd ins Bewusstsein, was Papst Johannes Paul II. erschüttert so zusammenfasste: Die fürchterlichen Geschehnisse von damals müssen „unablässig die Gewissen wecken, Konflikte beenden und zum Frieden ermahnen“ Zugleich waren es vierzig Jahre, dass das Zweite Vatikanische Konzil die Erklärung Nostra aetate verfasst und neue Perspektiven in den jüdisch-christlichen Beziehungen eröffnet hat, die durch Dialog und Partnerschaft gekennzeichnet sind. [..]

- Prof. Dr. Ing. Heinrich Klose
Prof. Dr. Ing. Heinrich Klose, Vorsitzender der Hessischen Akademie Ländlicher Raum
[..]In Rotenburg bestätigte Frau Dr. Altars den Spurensuchern, dass ihre Wegestrecke zum Aufhellen der Geschichte einer Mikwe führt. An dieser Stelle will ich kurz meine Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Frau Dr. Altaras schildern. Das Objekt ist die Mikwe in Trendelburg im Landkreis Kassel. Die Geschichte ist ähnlich wie die der Mikwe in Rotenburg. Vergessen unter dem Schutt der Stadtbrände in der Stadtgeschichte und zufällig bei Sanierungsarbeiten Anfang der 90er Jahre im vorigen Jahrhundert wieder entdeckt. Welch wichtiges Zeugnis ist ein rituelles Tauchbad für das kulturelle und architektonische Erbe einer Stadt. Auch die Mikwe Trendelburg ist ein rituelles Tauchbad. Entsprechend der jüdischen Reinheitsgesetze werden Personen oder Gegenstände, die unrein geworden sind, wie z.B. nach dem Kontakt mit Leichen, gewaschen. [..]

- Referatsleiterin R. Knigge-Tesche
Renate Knigge-Tesche, Referatsleiterin, Hessische Landeszentrale für Politische Bildung, Wiesbaden
[..]Diese eindruckvolle Feier markiert den Höhepunkt einer mehrjährigen intensiven Arbeit bei der Erforschung, Sicherung und Restaurierung eines für Rotenburg sehr bedeutsamen Bauwerks. Sie ist jedoch zugleich der Beginn einer neuen wichtigen Aufgabe und Herausforderung. Die Entscheidung, im Hause des Ritualbades eine Gedenk- und Begegnungsstätte einzurichten, ist eine gute und richtige Entscheidung, und ich bin der Stadt Rotenburg sehr dankbar, dass sie diese Entscheidung so nachhaltig trägt. Als auf Initiative des Hessischen Landtags mit Beginn des Jahres 1993 in der Landeszentrale für politische Bildung ein Gedenkstättenreferat eingerichtet wurde, geschah diese aus der Erkenntnis heraus, dass im Land Hessen mehr getan werden müsse, um die Erinnerung an das düsterste Kapitel der deutschen Geschichte, die zwölf Jahre dauernde Terrorherrschaft des Nazi-Regimes, wach zu halten und dessen Opfern zu gedenken. [..]

- Pfarrer Lars Niquet
Pfarrer Lars Niquet, Rotenburg 2. Vorsitzender des Förderkreises
[..]Es ist für uns alle eine besondere Ehre, dass Sie, die Nachfahren unserer früheren jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger, den zum Teil weiten Weg auf sich genommen haben, um in diesen Tagen an der Wiedereröffnung der restaurierten Mikwe in unserer Stadt teilzunehmen. Dieses von außen her so schlicht erscheinende Gebäude ist künftig das am deutlichsten sichtbare Zeichen dafür, dass es mitten in unserer Stadt noch vor 2 Generationen ein blühendes jüdisches Leben gegeben hat. Ich habe in den letzten Jahren gelernt: Für die Ansiedlung von jüdischen Familien an einem Ort war oft das Vorhandensein einer Mikwe, eines rituellen Bades, mindestens genauso wichtig wie dass es eine Synagoge gab. Das Bad ermöglichte die Einhaltung der in der Thora vorgeschriebenen Reinigungsrituale. Und es stellte sicher, dass das Geschirr und die Schächtwerkzeuge entsprechend der religiösen Bestimmungen koscher gehalten werden konnten. [..]

- Ernst Klein
Ernst Klein - Gegen Vergessen – Für Demokratie e.V. Regionale Arbeitsgruppe Nordhessen
Sehr geehrte Damen und Herren! Jahrhundertelang gab es in Deutschland und insbesonderse auch in unserer nord-hessischen Heimat ein fruchtbares Miteinander von jüdischen und nichtjüdischen Menschen. Dieses Zusammenleben hat eine lange, wechselvolle Geschichte mit Höhen und Tiefen, die noch viel zu wenig erforscht und vor allem viel zu wenig bekannt ist. Wer weiß zum Beispiel noch, dass in unserer Region die meisten jüdischen Ein-wohner auf dem Lande zu Hause waren? Im Jahr 1925 z.B. lebten im Regierungsbezirk Kassel insgesamt 15.021 Juden, davon 12.271 = ca. 82 % auf dem Land und 2.750, also etwa 18 % in der Groß-Stadt Kassel. Deshalb ist eine bewusste Spurensuche und Spurensicherung ü b e r a l l im Lande erforderlich. [..]

- Dr. Ulrich Schneider
Dr. Ulrich Schneider, Projektbeauftragter "Lernende Regionen" im Staatlichen Schulamt Hersfeld-Rotenburg/ Werra-Meißner
Die Einrichtung eines solchen Ortes ist aus mehreren Gründen von großer Bedeutung: 1) Sie dokumentiert, welche Rolle die jüdische Kultur in dieser Stadt über die Jahrhunderte gespielt hat und was damit durch die faschistische Vernichtungspolitik auch diese Stadt verloren hat. Bürger mosaischen Glaubens waren anerkannte Teile dieser Gesellschaft. Sie leisteten - bevor sie vertrieben wurden - vielfältige Beiträge zur Stadtentwicklung in sozialer, wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht. 2) Sie dokumentiert, dass die Ausgrenzung und Vertreibung vor den Augen dieser Stadt Realität gewesen sein muss. Jüdische Mitbürger lebten und hatten ihren Mittelpunkt im Zentrum dieser Stadt, nicht an der Peripherie. Und niemand wird behaupten können, man habe nicht gesehen, was hier geschehen ist. Zwar kannte man nicht die Realität von Auschwitz, aber man wusste, dass die Menschen, die von hier vertrieben bzw. verschleppt wurden, nicht mehr zurückkehrten. [..]
